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Der tolle Flug

Wie in einem Bild von William Blake, fliegt eine menschliche Figur über einer unaufhaltsam in den Abgrund fließenden Realität, die nur durch Wasserzungen von einer kosmischen Dunkelheit getrennt ist. Man wird dabei gleich an den „tollen Flug“ von Dantes Odysseus erinnert, der infolge seines unwiderstehlichen Wissendurstes über jene „Säulen des Herakles“ hinaussegelte, die das Ende der damals bekannten Welt darstellten. Das Unternehmen endete zwar mit dem Untergang des Schiffs, weil diese Niederlage der menschlichen Hybris die unüberwindlichen Schranken der Rationalität symbolisieren sollte. Nur über den von Beatrice verkörperten Glauben erreicht nämlich der vom gleichen Wissensdurst wie Odysseus bewegte Dante, in der Fiktion der Göttlichen Komödie, die höchste aller Erkenntnisse im Paradies. In der Wirklichkeit waren es aber die Phantasie und die Kunst, die ihm durch die Niederschrift des Werkes die Eroberung jener erhabenen Höhen des Gedankens ermöglicht hatten. Denn nur die Kunst macht solche Flüge über alle traditionellen Schranken hinweg möglich, die auf dem Gebiet des Wissens Landgewinn bedeuten.

Alessandro Costazza

Dubai 2016 der tolle Flug